Kyrill und Method gehören zu den sechs Patronen Europas.
Kyrill und Method (links) gehören zu den sechs Patronen Europas. Johannes Paul II. erklärte die beiden Heiligen 1980 zu Patronen Europas.
Foto: Hildegard Rall
29.01.2019 – Hll. Kyrill und Method

Respekt vor der Vielfalt der Kulturen

Die hll. Kyrill und Method aus Thessaloniki betrieben im 9. Jahrhundert die Missionierung der slawischen Völker. Die beiden Brüder werden besonders in den orthodoxen Kirchen hoch verehrt.

Konstantin und Michael, wie die Heiligen mit weltlichem Namen hießen, stammten aus dem griechischen Thessaloniki. Method (815– 885) hatte zunächst eine Verwaltungslaufbahn eingeschlagen, bevor er sich in ein Kloster zurückzog. Kyrill (826/27–869) lehrte in Konstantinopel Philosophie, bis auch er seine Berufung zum Priesteramt fand.

Im Jahr 863 folgten die beiden Brüder dem Ruf des großmährischen Fürsten, der Lehrer für sein frisch christianisiertes Volk suchte. Auf ihrem Weg in die heutige Slowakei hatten die beiden Brüder bereits Teile des Neuen Testaments auf Slawisch im Gepäck. Eine doppelte Meisterleistung: Aus einem südslawischen Dialekt hatten Kyrill und Method eine Kirchensprache geformt, die bis heute in der Orthodoxie verwendet wird; außerdem entwickelten sie eine eigene Schrift für das Wort Gottes auf Slawisch. Geradezu revolutionär war jedoch, dass die Brüder die Messe in der slawischen Landessprache feierten, statt auf Hebräisch, Griechisch oder Latein. Sie erhielten dafür die päpstliche Erlaubnis; trotzdem dauerte es über 1000 Jahre, bis das II. Vatikanische Konzil den volkssprachlichen Gottesdienst endgültig anerkannte.

Kyrill und Method können für uns Vorbilder im ökumenischen Dialog sein. Sie kamen aus der östlichen, byzantinischen Tradition, handelten aber immer mit dem Segen der römischen Päpste. Als Johannes Paul II. die beiden Heiligen 1980 zu Mitpatronen Europas erklärte, war dies ein Zeichen der Versöhnung: Der polnische Papst betonte damit, dass Europa gleichermaßen in der westlichen und der östlichen Tradition verwurzelt ist. Diese Traditionen widersprechen sich nicht, sondern ergänzen und bereichern einander. Ein Vorbild sind Kyrill und Method schließlich durch ihre friedliche Evangelisierung. Als Gelehrte hätten sie allen Grund gehabt, auf die Slawen herabzuschauen. Stattdessen sorgten sie dafür, dass die Menschen Gott in ihrer Muttersprache loben konnten. Das war den beiden Lehrern wichtiger als die liturgische Tradition. Dieser Respekt vor der Vielfalt und Verschiedenheit der Kulturen ist heute so aktuell wie vor 1150 Jahren, als Kyrill und Method sich auf ihre Reise zu den Slawen machten.

von Dr. Angelika Schmähling

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Inhalt erstellt: 29.01.2019, zuletzt geändert: 12.02.2019