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Religion und Kirche

Hintergrundinfos zur katholischen Kirche in der Ukraine

Ernst Dohlus (2006): „Eine junge Kirche zwischen Evangelisation und Krieg – Katholiken in der Ukraine

Ernst Dohlus (geb. 1947) ist Journalist und Berater. Sein Interesse gilt u. a. den Ordensgemeinschaften, weshalb er auch als Moderator beim Renovabis-Kongress 2016 „Zeugen des Evangeliums – Gestalter der Welt. Zur Rolle der Orden in Mittel- und Osteuropa“ mitwirkte. Der Artikel geht auf Gespräche zurück, die er im Rahmen des Kongresses 2016 führte.

Orthodoxe Kirche

Die Orthodoxe Kirche in der Ukraine ist in drei Kirchen aufgespalten:

  • Die Ukrainische Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchat (UOK-MP): 31 Eparchien, 9049 Gemeinden (Oberhaupt ist Metropolit Wolodimir)
  • Die Ukrainische Orthodoxe Kirche Kiewer Patriarchat (UOK-KP): 2781 Gemeinden
    (1992 aus der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche gegründet, Oberhaupt ist Patriarch Filaret)
  • Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche (UAOK): 1015 Gemeinden
    (1919 in der Ukraine gegründet, im Exil überlebend, seit 1991 wieder in der Ukraine aktiv)

Die beiden letztgenannten Kirchen sind von der Weltorthodoxie (Moskauer Patriarchat, Patriarchat Konstantinopel) nicht anerkannt.

Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (byzantinischer Ritus) (UGKK)

Die UGKK entstand auf dem Territorium der Westukraine durch die Brester Union (1596) bzw. die Union von Ushgorod (1646). Sie ist vor allem auf die Westukraine konzentriert. In der Sowjetzeit war die UGKK von 1947 bis 1989 verboten. Nach ihrer Wiederzulassung sind viele Gläubige in der Westukraine von der orthodoxen Kirche wieder zur UGKK zurückgekehrt. In der Westukraine ist sie Mehrheitskirche, der Anteil der Gläubigen liegt in den 7 galizischen Diözesen (Lviv, Stryj, Buchach, Ternopil, Sokal, Ivano-Frankivsk und Sambir-Drohobych) zwischen 58% und 74%, in Transkarpatien (Ushgorod) bei 25% und in der Diözese Kolomyja-Chernivtsi nur bei 17%. In der Zentral- und Ostukraine sind die Gläubigen der Griechisch-Katholischen Kirche eine kleine Minderheit von knapp ein Prozent. Im Durchschnitt liegt dadurch der Anteil der Gläubigen an der Gesamtbevölkerung bei 8% (ca. 3,5-4 Mio. in ca. 3.600 Gemeinden). Die Diözese Mukachevo besitzt zudem einen autonomen Status und wird derzeit von Bischof Milan Šašik geleitet (Sitz in Ushorod). Sie ist als ruthenische Kirche eine Kirche sui juris und untersteht damit nicht dem Oberhaupt der UGKK. Jedoch nimmt die Diözese Mukachevo an allen Synoden und Sitzungen der UGKK beratend teil. Die Griechisch-Katholische Kirche in der Ukraine hat 5 Priesterseminare (Lviv, Ivano-Frankivsk, Ternopil, Ushgorod und Drohobych) und für die Ausbildung von Laien die Ukrainische Katholische Universität (kurz: UCU) in Lviv.

Römisch-Katholische Kirche (lateinischer Ritus)

Die katholische Kirche des lateinischen Ritus, welche vielerorts noch immer als die polnische Kirche angesehen wird, hat in der Ukraine 7 Diözesen, davon wurden Charkiv-Saporoshe und Odessa-Simferopol 2002 durch Teilung von Zhytomir/Kiew bzw. Kamyanets-Podolski neu errichtet. In Transkarpatien (Mukachewo) wurde die Apostolische Administratur 2002 zur Diözese erhoben. Der Anteil der Gläubigen liegt zwischen 1 und 4%, im Durchschnitt bei 2 %. Es gibt etwa 1 Mio. Gläubige in ca. 830 Gemeinden und 3 Priesterseminare (Lviv, Worsel bei Kiew und Gorodok). Am Katechetischen Institut Gorodok, am Institut für Religionswissenschaften Thomas von Aquin in Kiew und am Theologischen Institut in Lviv-Briukhovichi werden Laien ausgebildet.
Vorsitzender der Bischofskonferenz ist Erzbischof Mieczysław Mokrzycki, der zuvor als Privatsekretär von Papst Johannes Paul II und Papst Benedikt XVI in Rom tätig war.

Diözesane Strukturen

Karte der Diözesen der Ukrainischen grischisch-katholischen Kirche<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Iryna Havryshkevych, Patriarchalkurie der UGKK, Lviv, Ukraine</small>
Karte der Diözesen der Ukrainischen grischisch-katholischen Kirche
Foto: Iryna Havryshkevych, Patriarchalkurie der UGKK, Lviv, Ukraine
Karte der Diözesen der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: beckstet, CC BY-SA 3.0, wikimedia common, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Map_of_Ukraine_Catholic.PNG</small>
Karte der Diözesen der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine
Foto: beckstet, CC BY-SA 3.0, wikimedia common, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Map_of_Ukraine_Catholic.PNG

Projektförderung

Renovabis hat zunächst die Wiedererrichtung pastoraler Strukturen der katholischen Kirche beider Riten unterstützt, da die Ukrainische Griechisch-katholische Kirche (UGKK) von Stalin verboten worden war und während der Sowjetzeit nur als Untergrundkirche bzw. im Exil überlebte und auch die Römisch-katholische Kirche in ihrem Willen eingeschränkt, wenn auch nicht völlig vernichtet, war. Hierzu zählten Bauhilfen für Kirchen, Pfarrhäuser und Priesterseminare, Motorisierungs- und Ausrüstungshilfen und Stipendien.

Schon seit Jahren wird die Kinder- und Jugendarbeit besonders unterstützt, sowohl zur Vertiefung des Glaubens als auch unter sozialen Aspekten für Waisen und tschernobyl-geschädigte Kinder.

Der Krieg im Osten des Landes dauert an und hat bisher mehr als 10.000 Todesopfer gefordert. Sowohl die Caritas der römisch-katholischen Kirche ("Caritas Spes") als auch die griechisch-katholische Caritas unterstützen Menschen, die durch den Krieg ihre Heimat verlassen mussten, materiell und psychologisch. Der ukrainische Staat kann wegen der aktuellen wirtschaftlichen Notlage kaum etwas leisten. Renovabis engagiert sich außerdem in den Problemfeldern Drogenabhängigkeit, HIV/AIDS und Bekämpfung des Frauenhandels.

Projektbeispiele

Vom Krieg zerstörtes Haus im Osten der Ukraine (Region Luhansk).
Spendenprojekt

Der vergessene Krieg: Hilfe in der Ukraine

Ukraine-Konflikt
Migration
Ausbilder und angehender Koch stehen in der Küche und schauen in die Kamera
Berufsausbildung

Perspektiven schaffen für junge Menschen in der Ukraine

junge Menschen
Beruf, Perspektiven
Caritas-Therapeut unterstützt ein Mädchen im Rollstuhl.
Projektbeispiel

Lokale Selbstorganisation fördern, sozialen Zusammenhalt stärken

Ukraine-Konflikt

Hintergrundartikel

Artikel zur Ukraine in der Zeitschrift OST-WEST. Europäische Perspektiven

Diese Artikel können Sie im Volltext lesen:

Die Ukraine war Thema der Ausgaben 4/2014 und 2/2001 der Zeitschrift OST-WEST. Europäische Perspektiven (OWEP), die vierteljährlich von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken herausgegeben wird.

Bestellung der Hefte per E-Mail an owep@renovabis.de bzw. unter +49/(0)8161/5309-71.

Lesen Sie auch

Inhalt erstellt: 03.08.2016, zuletzt geändert: 08.11.2017