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Weißrussland

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Religion und Kirche

Weißrussland ist ein multireligiöses und -konfessionelles Land, in dem 26 Konfessionen und Religionen vom Staat registriert sind und uneingeschränkt im Rahmen des weißrussischen Gesetzes funktionieren können. Insgesamt sind zurzeit rund 3300 „religiöse Gemeinden“ verschiedener Konfessionen und Religionen registriert, in denen rund 3100 Priester tätig sind. Die Religionsgemeinschaften sind vom Staat getrennt und sind ausschließlich aus Spenden oder durch Unterstützung in verschiedenen Projekten finanziert.
In einigen wenigen Schulen wird fakultativ ein nicht-konfessioneller Religionsunterricht angeboten. Die katechetische Ausbildung tragen die Glaubensgemeinschaften selbst, indem sie Sonntagsschulen für Kinder und Erwachsene organisieren.
Stark prägend in Weißrussland sind christliche Konfessionen, vor allem die orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, die katholische Kirche und griechisch-katholische Kirche sowie verschiedene protestantischen Denominationen.

Die orthodoxe Kirche die größte Glaubensgemeinschaft in Weißrussland. Zu ihr zählen sich 48% der Bevölkerung bzw. 80% aller, die sich als gläubig bezeichnen. Es gibt rund 1600 Gemeinden, die in 15 Diözesen organisiert sind. Die Kirche zum größten Teil autonom vom Patriarchat durch den Metropolit von Minsk und die Synode der weißrussischen Bischöfe geleitet. Die Orthodoxe Kirche in Weißrussland verfügt über sieben geistliche Ausbildungsstätten, 35 Klöster, 54 Bruderschaften und 113 Schwesterngemeinschaften - freiwillige Laienorganisationen, die die caritative und katechetische Arbeit übernehmen.
Ein Abkommen über die Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der Orthodoxen Kirche wurde im Jahr 2003 unterschrieben und ermöglicht es, gemeinsame staatliche und kirchliche Programme dort durchzusetzen, wo die kirchliche Hilfe und Erfahrung besonders von Bedeutung ist: Erziehung und Ausbildung, Wissenschaft und Kultur, Gesundheitswesen, Förderung der sozialen Gerechtigkeit und Umweltschutz.

Die Katholische Kirche in Weißrussland ist im römisch-katholischen und griechisch-katholischen Ritus präsent.
Die römisch-katholische Kirche ist mit rund 490 Gemeinden in 4 Diözesen organisiert und verfügt über fünf Ausbildungseinrichtungen, 11 Missionen und 9 Klöster. Die liturgische Sprache für beide Riten ist weißrussisch, in Gemeinden, wo die Mehrheit der Gläubigen Polen sind, werden die Messen auf Polnisch gefeiert, im Norden auf Litauisch, im Osten des Landes gibt es auch Gottesdienste auf Russisch. Die Römisch-Katholische Kirche in Weißrussland hat sich von einer früher als „polnische Kirche“ bezeichnenden Gemeinschaft zur übernationalen Katholischen Kirche in Weißrussland gewandelt, die auch die Entwicklung der weißrussischen Sprache und Kultur fördert. Die Caritasstrukturen bieten ihre Hilfe dort, wo der Staat aus verschiedenen Gründen nicht helfen kann.

Die griechisch-katholische Kirche mit 10 000 Gläubigen und 20 Gemeinden ist nach dem Fall des Kommunismus aus dem Untergrund getreten und wurde legalisiert, hat aber bis heute keinen Bischof und wird vom Apostolischen Visitator “ad nutum Sanctae Sedis” geleitet. Die Feiertage im Unterschied zu der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine werden nach dem gregorianischen Kalender mit der Kirche des lateinischen Ritus gefeiert. Die neuen Priester werden von den ukrainischen Bischöfen geweiht. In Brest, wo 1596 die kirchliche Union mit Rom öffentlich verkündet wurde, ist ein wichtiges seelsorgliches Zentrum der griechisch-katholischen Kirche sowie Sitz des Verlags der Zeitschrift „Carkva“ (die Kirche).

Der klassische Protestantismus in Weißrussland hat eine reiche Geschichte. Zwei evangelikale Kirchen - Christen des evangelikalen Glaubens (Pfingstler) und die evangelikalen Christen Baptisten - bilden die größte protestantische Gemeinde in Weißrussland. Die Evangelisch-Lutherische Kirche ist mit zwei Gemeinden in Grodno und Minsk und die Evangelisch-Reformierte Kirche mit einer Gemeinde in Brest präsent. Andere protestantische Glaubensgemeinschaften sind die Adventisten und die Neuapostolische Kirche.

Im Gebiet um Grodno befindet sich die größte islamische Gemeinschaft, die aus den Tataren besteht. Die Tataren wurden noch von den litauischen Fürsten im 16. Jahrhundert für den Dienst an den westlichen Grenzen eingeladen und in Weißrussland eingesiedet. Trotz der Mischehen mit den Weißrussen und Polen haben sie ihren Glauben und Kultur bewahren können.

Projektförderung

Wie in allen Teilen der ehemaligen Sowjetunion war erst nach 1990 ein über in sehr begrenztem Umfang geduldete liturgische Vollzüge hinausgehendes kirchliches Leben mit Sozialdienst, Jugendpastoral und Mitwirkung der Laien überhaupt möglich. In den vergangenen Jahren hat Renovabis daher zunächst zahlreiche Projekte zum Aufbau der materiellen Infrastruktur in Weißrussland gefördert: Errichtung von Kirchen und Gemeindezentren, sowie Gruppenräume für Jugendarbeit und Katechese. Zudem wurden zahlreiche zurückerlangte Kirchengebäude restauriert oder wiederaufgebaut. Seit Abschluss der Synode der Diözesen Minsk, Pinsk und Witebsk gewinnen pastorale Projekte zunehmend an Bedeutung.

Renovabis fördert zudem die Tätigkeit der katholischen Medien, der Laienverbände und die Jugendarbeit. Besonders verdienstvoll ist die entbehrungsreiche Tätigkeit der Ordensschwestern, denen es u.a. zu verdanken ist, dass die Kirche die Zeit der sowjetischen Verfolgung überdauern konnte. Da es noch nicht ausreichend inländische pastorale Mitarbeiter gibt, arbeiten zahlreiche Priester und Ordensleute aus Polen in der Seelsorge mit. Durch die Wahl der belarussischen Sprache als neben Polnisch gleichberechtigter Amtssprache leistet die katholische Kirche einen wichtigen Beitrag zur Förderung der belarussischen Identität und zur Stärkung der belarussischen Sprache und Kultur.

Aufgrund der sozialen Situation gibt es zudem zahlreiche sozial-caritative Pilotprojekte, u.a. zum Schutz des ungeborenen Lebens, zur Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs, Projekte für Heimkinder, Menschen mit Behinderungen, Häftlinge sowie für bedürftige und ältere Menschen. Außerdem fördert Renovabis jedes Jahr geistliche Ferienaufenthalte für mehrere Tausend Kinder im atomar unverstrahlten Norden des Landes.
Renovabis unterstützt und begleitet außerdem den ökumenischen Dialog.

Projektbeispiele

Ordensschwester verteilt in einer Winterlandschaft eine Suppe an eine bedürftige Frau
Hilfe für bedürftige Menschen

Hunger, Kälte, Einsamkeit

Inhalt erstellt: 03.08.2016, zuletzt geändert: 22.06.2017