Hefte der Zeitschrift "OST-WEST. Europäische Perspektiven".
Hefte der Zeitschrift "OST-WEST. Europäische Perspektiven".
Quelle: Daniela Schulz, Renovabis
Zeitschrift

OST-WEST. Europäische Perspektiven

Die Zeitschrift OST-WEST berichtet vierteljährlich über gesellschaftliche Entwicklungen, politische Trends, kirchliches Leben und soziale Fragen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

Was ist OWEP?

Die Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) wird gemeinsam von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken herausgegeben und erscheint vierteljährlich mit einem neuen Themenschwerpunkt. Alle Beiträge in „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ stammen von renommierten Autorinnen und Autoren, die für einen hohen Informationsgehalt und eine anspruchsvolle Darstellung bürgen. Neben westlichen Autoren kommen zunehmend auch Schriftsteller, Kirchenvertreter und Wissenschaftler aus den östlichen Nachbarländern zu Wort. Sie vermitteln Vorgänge und Probleme aus „Insider-Sicht“ und ermöglichen dem Leser neue Einblicke; so bildet jedes Heft eine solide und vielseitige Informationsbasis für alle, die aktuelle Entwicklungen besser verstehen und als Christen das neue Europa mitgestalten wollen.
OWEP berichtet über Veränderungen in Mittel- und Osteuropa, bietet fundierte und kompetente Informationen jenseits der Schlagzeilen und erscheint 4 mal jährlich.

OWEP im Internet

Auf der Internetseite www.owep.de haben Sie die Möglichkeit, gezielt einzelne Hefte zu bestellen oder ein Abo einzurichten. Außerdem gibt es viele Artikel im Volltext zu lesen.

Aktuelles Heft

Ausgabe Nr. 1/2021: Belarus – ein Land im Umbruch

Seit August 2020 ist Belarus, ein kleines Land im Osten Europas, zumindest in den Medien ständig präsent. Der umstrittene Ausgang der Präsidentschaftswahlen, die der langjährige Amtsinhaber Alexander Lukaschenko offiziell mit 80 Prozent Zustimmung für sich entschied, führten zu Demonstrationen, die das Regime mit massiver Gewalt unterdrücken ließ. Viele Oppositionelle mussten ins Ausland gegen, das Land kommt bis heute nicht zur Ruhe. Was wissen die Menschen hierzulande sonst über dieses Land, das eher unter dem Namen „Weißrussland“ bekannt ist? Manche werden sich an die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 erinnern, die das Land besonders hart getroffen hat – aber Belarus hat eine viel längere, großenteils tragische Geschichte, in der sich Völker und Kulturen gemischt und gegenseitig befruchtet haben. Diese viel zu wenig bekannten Facetten versucht das Heft in Ansätzen vorzustellen.

Am Beginn muss natürlich die aktuelle Lage stehen, die Dr. Astrid Sahm, Belarus-Expertin und Geschäftsführerin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) in Dortmund, in ihrem Beitrag „Belarus zwischen Aufbruch und Repression“ skizziert. Die Proteste gegen die manipulierten Präsidentschaftswahlen sind nicht vom Himmel gefallen, denn in großen Teilen der Bevölkerung herrschte schon seit Jahren Unmut über das immer stärker autoritär auftretende Regime von Präsident Lukaschenko. Allerdings zeigt sich derzeit keine Lösung der Krise ab; wohin sich das Land entwickeln wird, ist derzeit noch völlig offen. Dr. Alexander Milinkewitsch, Bürgeraktivist und Präsidentschaftskandidat in Belarus 2006, ergänzt in seinem Beitrag die Analyse von Astrid Sahm mit Ausführungen zur innenpolitischen Gemengelage und zur Rolle der Frauen in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen. Ein entscheidender Faktor in der verworrenen Situation ist Russland, das den kleinen westlichen Nachbarn als strategischen „Vorhof“ betrachtet. Über die wechselseitigen Beziehungen informiert der Aufsatz des belarussischen Politologen Yauheni Preiherman.

Zwei weitere Beiträge gelten zwei gesellschaftlichen Kräften, die in der Krise in Belarus besonders gefordert sind. Gemma Pörzgen, OWEP-Chefredakteurin, befasst sich mit der Lage der Medien und der Journalisten; die unabhängige Berichterstattung im Land wird derzeit stark behindert. Dr. Alena Alshanskaya, Osteuropahistorikerin an der Universität Mainz, untersucht die Haltung der Kirchen, besonders der belarussischen orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche, deren Bemühungen um Vermittlung in der Krise bisher wenig erfolgreich waren.

Vieles von dem, was derzeit in Belarus geschieht, ist ohne Kenntnis der jüngeren Geschichte des Landes kaum verständlich. Eine markante Zäsur war die Tschernobyl- Katastrophe von 1986, deren Folgen bis heute in großen Teilen von Belarus zu spüren sind. Die österreichische Journalistin Dr. Christine Haiden blickt kurz auf dieses Ereignis zurück und stellt das Kinderdorf in Gomel als Leuchtturmprojekt für Opfer der zweiten Generation vor. Verheerend für Belarus – und ebenfalls bis heute spürbar – war der Zweite Weltkrieg, in dessen Verlauf das Territorium zu einem der Hauptkriegsschauplätze wurde. Das Land verlor, was in Deutschland kaum bekannt ist, ein Viertel seiner Bevölkerung; die jüdischen Bewohner fielen zum größten Teil dem Holocaust zum Opfer. Prof. Dr. Anika Walke, Professorin für Geschichte an der Washington University in St. Louis (USA), zeichnet den Leidensweg der Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs nach, für die als Gedenkorte vor allem Chatyn und Maly Trostinec stehen. Die deutsch-belarussischen Bemühungen, diese dunklen Seiten der Geschichte zu erforschen, stehen im Mittelpunkt eines Interviews mit dem Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Thomas Bohn, dem Sprecher der 2020 gegründeten Belarussisch-Deutschen Geschichtskommission.

Das Gebiet des heutigen Belarus gehört zu den ältesten slawischen Herrschaftsgebieten, war Teil des Großfürstentums Litauen, später des Polnisch-Litauischen Staates; in ihm trafen sich Ost und West sowohl sprachlich als auch kulturell und religiös. Bereits im 16. Jahrhundert gab es erste Druckwerke in altbelarussischer Sprache, die später als „Bauerndialekt“ abgetan wurde. In ihrem Beitrag „Weißer Fleck, fließende Form“ vermittelt die Übersetzerin und Essayistin Iryna Herasimowitsch einen Überblick über die Entwicklung von Kultur und Literatur ihrer Heimat von den Anfängen bis in die Gegenwart und stellt eine Gesellschaft vor, die sich zu diesen Traditionen bekennen und zugleich den Herausforderungen der Moderne stellen muss. Dass Belarus über eine äußerst lebendige kulturelle Szene verfügt, darunter auch eine Popkultur mit angesagten Rockbands, wird aus dem Text des Journalisten Ingo Petz deutsch, der zugleich wieder zur aktuellen Krise überleitet. Gerade die junge Generation steht an der Spitze der Proteste und ist nicht länger bereit, das Regime des „letzten Diktators Europas“ zu ertragen.

Die letzten drei Beiträge des Heftes beziehen sich ebenfalls auf die aktuelle Lage in Belarus. Die Philologin und Kulturwissenschaftlerin Irina Solomatina untersucht in ihrem Beitrag „Die Revolution hat kein feministisches Gesicht“ (einem Buchauszug) die Rolle der Frauen in der Anti-Lukaschenko-Bewegung. Aus Berlin blickt die Historikerin Alesja Belanovich-Petz in ihrem Essay „Mit einer Herzhälfte dort, mit der anderen hier“ auf ihre Heimat. Im Interview mit dem Studenten Alexander Moisseenko wird die im August 2020 gegründete Organisation „Razam“ („Gemeinsam“) vorgestellt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Oppositionsbewegung in Belarus auf verschiedenen Wegen zu unterstützen.

Abgeschlossen wird das Heft mit Literaturtipps (Bücher und Webseiten).

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Inhalt erstellt: 31.01.2017, zuletzt geändert: 22.02.2021

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