Hl. Birgitta von Schweden
Birgitta von Schweden wurde 1999 von Papst Johannes Paul II. zusammen mit der Kirchenlehrerin Katharina von Siena und der heiligen Edith Stein zur Patronin Europas erhoben.
Foto: Hildegard Rall
31.01.2019 – Hl. Birgitta

Mobilität und Diplomatie

Die hl. Birgitta von Schweden gab im 14. Jahrhundert zunächst als Mutter und später als Ordensgründerin ein beeindruckendes christliches Zeugnis. Fürsten und Päpste ließen sich von ihr beraten.

Wenn man von einer Frau des Mittelalters behaupten will, dass sie Europäerin gewesen sei, kommt man nicht an Birgitta Birgersdotter vorbei, deren Wirken weder zeitlich auf das 14. Jahrhundert noch räumlich auf ihre Heimat Schweden begrenzt geblieben ist. Die hl. Birgitta von Schweden hat große Gegensätze in sich vereint: Beständigkeit und Pilgerreisen – die auch für politische Zwecke taugten – durch ganz Europa und sogar bis nach Jerusalem, Leben als Hofdame und als Bettlerin, als Ehefrau und Ordensgründerin, als Ratgeberin von Herrschern und als demütiges Beichtkind, als Mutter von acht Kindern, darunter ein Playboy und eine als Heilige verehrte, als ungelernte Architektin einer größeren Kirche in Vadstena; eine äußerst aktive und eine kontemplative Seite. Wenn heute beruflich und privat Flexibilität gefordert wird, um ein länger werdendes Leben erfolgreich zu bestehen, lohnt sich ein Blick auf das abwechslungsreiche Leben der temperamentvollen schwedischen Adligen, die mehrere Berufungen gelebt hat.

Versöhnung ist ihr Thema: der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander, etwa im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich, in dem sie vermitteln will. Sie scheut sich nicht, jedermann ihre Meinung zu sagen, bis hin zu Königen und Päpsten, wenn sie den Eindruck hat, dass Gott deren Umkehr will. Sie leidet unter der drohenden Spaltung der katholischen Kirche zwischen Avignon und Rom, kann sie jedoch nicht aufhalten. Als Hofmeisterin sieht sie, wie Landbewohner sich höfische Sitten aneignen müssen, wenn sie vor den König treten, und so erkennt sie, dass analog die Menschen Hilfe brauchen im Umgang mit Gott. Darin sieht sie eine Aufgabe des später von ihr hauptsächlich für Frauen – erstmals in der Geschichte! – gegründeten Ordens, der sich noch im Mittelalter in Europa bis in die Ukraine ausbreitet. Männer und Frauen sollen nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen, ist ihr Wunsch.

Birgittas Hören auf Gott geht so weit, dass sie zahlreiche Offenbarungen empfängt, die für heutige Ohren teils schwer verdaulich erscheinen, teils wunderbar zeitlos in ihrer einfachen und klaren Botschaft sind. Ihr Auftrag gilt weiter: Suchende über alle Grenzen hinweg mit Gott vertraut machen, ihnen die Frohe Botschaft vermitteln. Grundlage ist die Freude, die Christen erfüllt, wenn sie die Erlösung der Menschen durch den Kreuzestod Christi entdecken. Als Hilfe dienen eine starke Ausrichtung auf Maria und das Motto, das Birgitta zugeschrieben wird und über der neuen Klosterkirche in Vadstena steht: Herr, zeige mir den Weg und mache mich willig, ihn zu gehen.

von Schwester Maria Katharina O.Ss.S.

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Inhalt erstellt: 31.01.2019, zuletzt geändert: 12.02.2019