Collage: Szenen vom „Baltischen Weg“ vom 23. August 1989 und eine Demonstration in den Straßen von Minsk mit der weiß-rot-weißen Fahne, die von 1991 bis 1995 die Nationalflagge von Belarus war.
Montage: links Szenen vom „Baltischen Weg“ vom 23. August 1989, rechts eine Demonstration in den Straßen von Minsk mit der weiß-rot-weißen Fahne, die von 1991 bis 1995 die Nationalflagge von Belarus war.
Quelle: Vitaliy Palinevsky, Catholic.by (rechts) / Collage Renovabis (links)
21.08.2020 – Litauen

Starkes Zeichen der Solidarität

30.000 Menschen sollen mit dabei sein: am 23. August ist Litauen eine Neuauflage der berühmten Menschenkette vom 23. August 1989 geplant – als Zeichen der Solidarität. Der Erzbischof von Vilnius, Gintaras Grušas, über die Anteilnahme seiner Landsleute an der Situation in Belarus.

Dr. Gintaras Grušas kam 1961 als Sohn litauischer Emigranten in den USA zur Welt und arbeitete zunächst als Informatiker für den IBM-Konzern, bevor er ins Priesterseminar eintrat.
1992 kam er noch als Seminarist nach Litauen, wo er 1994 zum Priester geweiht wurde. Grušas war Kaplan in Vilnius, Regens im Priesterseminar und wurde 2010 zum Militärbischof geweiht. Seit 2013 ist er Erzbischof von Vilnius und zurzeit Vorsitzender der Litauischen Bischofskonferenz.

Die Fragen stellte Dr. Markus Ingenlath, Geschäftsführer von Renovabis.

Wie wird die derzeitige Situation in Belarus von den Menschen in Litauen wahrgenommen?
Die Litauer erinnern sich noch gut an ihren langen Kampf für die Unabhängigkeit und verstehen und unterstützen daher das Volk von Belarus in seinem Kampf für Demokratie. Der 23. August ist insofern bedeutsam, als es der Tag der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Pakts (der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt) war, der Europa spaltete und durch den viele Länder ihre Freiheit verloren.
Daher war es auch der Tag im Jahr 1989, an dem die Bürger der drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland sich solidarisch zeigten und ihre Hände in einer Menschenkette von Vilnius bis Tallinn vereinten, um ihren Durst nach Freiheit zu zeigen. Am 23. August dieses Jahres wird es eine weitere Menschenkette von der Kathedrale in Vilnius bis zur weißrussischen Grenze geben, wo sich rund 30.000 Menschen als Zeichen der Unterstützung für das weißrussische Volk, das für Freiheit in seiner Gesellschaft demonstriert, zusammenschließen werden.
Was sind Ihre Empfehlungen an die Kirche in Belarus und an die Kirchen des CCEE (Rat der Europäischen Bischofskonferenzen) in der gegenwärtigen Situation?
Die Bischöfe Litauens haben alle Menschen guten Willens eingeladen, für Belarus und sein Volk zu beten, besonders an diesem Sonntag, dem 23. August. Auch die Kirche in Belarus ist im Gebet, besonders für diejenigen, die inhaftiert sind und zu Unrecht verfolgt werden. Ich möchte alle Gläubigen in Europa einladen, ihre Gebete zum Herrn für Frieden und Freiheit zu erheben, damit die Menschen in Belarus in Freiheit leben können und die Möglichkeit haben, den Herrn zu preisen und die Frohe Botschaft zu verkünden.
Was wünschen Sie sich von der Regierung in Litauen und der Europäischen Union?
Litauen unterstützt seit vielen Jahren die Bemühungen seines Nachbarn Belarus, in einer demokratischen Gesellschaft zu leben. Die Regierungen sollten weiterhin alle Bemühungen der Menschen unterstützen, in demokratischen Gesellschaften zu leben, und die Bevölkerung von Belarus dabei unterstützen, freie und faire Wahlen abzuhalten.

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Inhalt erstellt: 21.08.2020, zuletzt geändert: 21.08.2020