Ekaterina Grudinina, 37, Mitglied der Volunteer Corps of Baikal, und Ksenia Stepanowa, 21, bei einem Torfbrand-Löscheinsatz in Selenginsk, Burjatien, Russland.
Ekaterina Grudinina, 37, Mitglied der Volunteer Corps of Baikal, und Ksenia Stepanowa, 21, bei einem Torfbrand-Löscheinsatz in Selenginsk, Burjatien, Russland.
Quelle: Fabian Weiss
Recherchepreis Osteuropa 2018

Tropfen auf den heißen Torf

Jedes Jahr wüten in Russland Wald- und Torfbrände auf mehreren Millionen Hektar. Der Staat tut kaum etwas dagegen und spielt die Ausmaße dieser ökologischen Katastrophe herunter. Doch einige Freiwillige stellen sich den Feuern entgegen. Und der Ignoranz, die sie entfacht.

Die Reportage wurde gefördert durch den von Renovabis und Hoffnung für Osteuropa ausgeschriebenen "Recherchepreis Osteuropa 2018". Eine Reportage von Martin Theis mit Bildern von Fabian Weiss.

Yura Kostenko, 22 Jahre alt, stämmige Statur und Baseballkappe auf dem Kopf, sitzt in einem Kleinbus auf dem Gepäck im Gang und rappt die laut aufgedrehten Songs aus den russischen Charts mit. Die Sitze hat er den anderen überlassen, Ehrensache. Drei Stunden nachdem er in einer orthodoxen Kirche noch rasch um Gottes Segen für den Einsatz gebeten hat, erreicht die Truppe ein Birkenwäldchen. Der Bus schaukelt über den Feldweg, dann wird er langsamer. Yura richtet sich auf, zeigt aus dem Fenster: „Dort, ein Torffeuer!“ Draußen zwischen den Stämmen zieht dichter Rauch über den Boden. Vor Sowjetzeiten waren hier, nahe Selenginsk in der sibirischen Region Transbaikalien, große Moorgebiete – bis die Menschen sie für Landwirtschaft und Torfabbau trockenlegten und den Feuern damit Nahrung verschafften.

„Ich könnte heulen, wenn ich das sehe“

Yura und seine Mitstreiter steigen aus und stapfen in einen Gespensterwald. Oben wirken die Birken noch grün und lebendig, unten ist die weiße Rinde schon schwarz verkohlt. Einige Bäume sind umgekippt, die Wurzeln zu Stumpen verkohlt. „Ich könnte heulen, wenn ich das sehe“, sagt Yura. Der toxische Rauch beißt in Augen und Lunge. Er zündet sich erstmal eine Zigarette an. Die Freiwilligen in den oliv-orangen Uniformen schaffen benzinbetriebene Wasserpumpen aus dem Bus, rollen Feuerwehrschläuche aus und verteilen ein Dutzend Schaufeln. Sie treiben Thermometerstangen in den Boden und messen die Temperaturen, um die unterirdischen Ränder des bis zu 500 Grad heißen Sumpfes zu finden. - Dann beginnt der Kampf.

Maxim Schachko gräbt verbrannten Torf ab bei einem Torfbrand-Löscheinsatz.
Maxim Schachko gräbt verbrannten Torf ab bei einem Torfbrand-Löscheinsatz.
Quelle: Fabian Weiss
Übungseinsatz im Trainingscamp für Freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee in der Nähe von Ust'Barguzin.
Übungseinsatz im Trainingscamp für Freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee in der Nähe von Ust'Barguzin.
Quelle: Fabian Weiss

Die Torfschichten sind über Jahrmillionen aus abgestorbenen Pflanzen entstanden

In Russland gehen jedes Jahr Millionen Hektar Wald und ausgetrocknete Moore in Flammen auf. Mit dem Klimawandel nehmen die Feuer zu – und Torfbrände sind dabei ein besonderes Problem. Sie können im Vergleich zu einem Waldbrand das Tausendfache an Rauch entwickeln, auch weil sie oft monatelang andauern, selbst bei starkem Regen. Die Torfschichten sind über Jahrmillionen aus abgestorbenen Pflanzen entstanden. Verbrennen sie, entweichen besonders große Mengen des Treibhausgases CO2. Zudem bleibt der Rauch nah am Boden und verbreitet sich hunderte Kilometer weit. Als 2010 die Moore um Moskau brannten, verschwand die Stadt wochenlang im Smog. Die Sterberate in der Hauptstadt verdoppelte sich schlagartig. Wenn nicht gerade die Hauptstadt betroffen ist, werden die Feuer von Behörden und Medien meist ignoriert oder die Ausmaße drastisch heruntergespielt. Deshalb organisieren sich immer mehr Menschen aus der Bevölkerung und bilden eigene Löschtrupps. So wie Yuras Gruppe: Die Freiwilligen Feuerbekämpfer Transbaikal. Ihr Revier ist die Region östlich des Baikalsees.

Eine Woche vor ihrem Einsatz am Torffeuer stehen die Vorboten einer neuen russischen Zivilgesellschaft am Sandstrand des Baikalsees und eröffnen ein Trainingscamp. Andrey Borodin, der schlaksige Gründer der Freiwilligen Feuerbekämpfer Transbaikal, tritt ans Wasser. Er demonstriert das Ritual seiner indigenen burjatischen Ahnen, das die Geister dieses Ortes gnädig stimmen soll: eine Tasse mit Milch, den Ringfinger der linken Hand hinein tunken, dann ein Tropfen in jede Himmelsrichtung. Den Rest – den ganzen! – in Richtung Sonne leeren, dabei nur positive Gedanken. Yura und die anderen tun es ihm gleich. Sie gehören zu der Generation, in die Andrey, 42 Jahre alt, seine Hoffnung setzt.

„Ich habe vor zwei Jahren verstanden, dass wir uns nicht nur auf den Staat verlassen können“

Es sind gut drei Dutzend Leute, Umweltschützer, Studierende und Freiwillige aus anderen Regionen, die meisten nicht einmal Mitte zwanzig. Sie alle hatten ihren eigenen, ganz persönlichen Weckruf, ein Ereignis, nach dem sie nicht mehr wegschauen wollten. „Ich habe vor zwei Jahren verstanden, dass wir uns nicht nur auf den Staat verlassen können“, sagt Andrey. Damals brannte in Russland eine Fläche von rund 85.000 Quadratkilometern ab, was in etwa dem Staatsgebiet Österreichs entspricht. In seiner Heimatstadt Ulan Ude, berühmt für die größte Leninbüste der Welt, wo der Rauch von Frühling bis Herbst zur Wettervorhersage gehört wie Sonne oder Regen, konnte er nicht mal mehr bis zur anderen Straßenseite sehen. Sechs Wochen Smog.

Die Wald- und Torfbrände befördern die Versteppung der Taiga, bedrohen die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und belasten die Gewässer durch den Ascheregen. Ein vermeidbares Übel – denn für neun von zehn dieser Feuer sind Menschen verantwortlich. Sie setzen nach alter Sitte Grasland in Flammen, um den Boden fruchtbarer zu machen. Sie verbrennen ihren Müll, weil es keine geregelte Abfallversorgung gibt. Sie legen Feuer in Waldstücken, um einem größeren Brand vorzubeugen oder die verkohlten Bäume gegen eine niedrige Gebühr fällen zu dürfen. Sie verlieren oft die Kontrolle. Im Kampf gegen die Feuer ist Bildung deshalb wichtiger als Wasser.

Rauch durch Rauchgranaten bei einem Übungseinsatz im Trainingscamp für Freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee.
Rauch durch Rauchgranaten bei einem Übungseinsatz im Trainingscamp für Freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee.
Quelle: Fabian Weiss

Andrey Borodin hat die feinen Glieder und die geschliffene Sprache eines Mannes, der es gewohnt ist, die Welt um sich herum durch kühne Strategie und das richtige Netzwerk zu verändern. Er war PR-Mann bei einer Telefonfirma, Chef des städtischen Tourismusbüros und hat in einem Hotel die ersten Raves organisiert, als im postsowjetischen Ulan Ude noch tote Hose war. Heute ist er hauptberuflich mit der Entwicklung Burjatiens betraut, einer Republik der russischen Föderation. „Ich habe mich der Feuer angenommen, weil ich die einflussreichen Leute der Gegend gut kenne“, sagt er. Sie muss er auf seine Seite bringen. Und das möglichst diplomatisch. Keine Behörde lässt sich gerne von einem Freiwilligen erklären, dass sie ihre Arbeit nicht richtig macht.

„Noch immer können viele Menschen in Russland nicht verstehen, warum jemand so eine Arbeit erledigen sollte, ohne dafür bezahlt zu werden“

Das Trainingscamp ist straff organisiert. Die Freiwilligen Feuerbekämpfer Transbaikal kooperieren dafür mit den Aktivisten von Greenpeace Russland. Vertreter beider Gruppen leiten Lehr- und Praxiseinheiten von 7.30 Uhr bis 21.30 Uhr. Pünktlichkeit ist angemahnt, ebenso wie das strikte Alkoholverbot und die Nachtruhe um 23 Uhr. Disziplin, ein nüchterner Geist und unmissverständlich verteilte Verantwortung sind in der brennenden Taiga überlebenswichtig.

Andrey Borodin träumt von einem Schulungszentrum, das die landesweit verstreuten Helfer ausbildet und vernetzt. Ihr Engagement ist nicht selbstverständlich: In der Sowjetunion gab es keine solchen Graswurzelbewegungen und in der Zeit danach waren die Leute zunächst mit der wirtschaftlichen Krise und sich selbst beschäftigt. Umweltschutz wird im modernen Russland im Zweifel recht nonchalant übergangen. „Noch immer können viele Menschen in Russland nicht verstehen, warum jemand so eine Arbeit erledigen sollte, ohne dafür bezahlt zu werden“, sagt Andrey. „Doch Zeiten ändern sich auch hier.“ Nach den zerstörerischen Bränden 2016 fand er schnell Gleichgesinnte. Sie löschten erste kleine Feuer und halfen suchen, wenn mal wieder jemand beim Beerensammeln in der Taiga verschollen war. Sie gingen in Schulen, Dörfer und Universitäten, um mit den Menschen über das Feuer zu sprechen. Wie man es vermeidet. Wie man es löschen kann. Sie waren zu fünft – heute haben sie 150 Mitglieder. Und das soll erst der Anfang sein.

Eines der Mitglieder ist Yura Kostenko, der Rapper mit der Baseballkappe. Er bewegt sich mit der selbstgewissen Gelassenheit eines sibirischen Braunbären durch den Pinienwald, in dem die Trainingsgruppe ihre Zelte aufgeschlagen hat. Er blickt rauchend auf das eisklare Wasser, das sich bis zum Horizont erstreckt. Neben Rapmusik liebt Yura den lieben Gott und, ja, auch seine Heimat – obwohl er findet, dass die russische Politik sich nicht um die einfachen Leute schert. Um Leute wie ihn. Sonst hätte er doch längst einen bezahlten Job bekommen und die Chance, das zu tun, was er unbedingt will: helfen, retten, löschen. Er sah keine Perspektive – bis Andrey Borodin an die Universität kam, an der er Rettungsingenieurwesen studierte: „Er lud uns ein, mit ihm zu den Feuern zu fahren und zu lernen, wie man sie bekämpft.“ Yura und ein paar Freunde machten mit. Die Freunde blieben irgendwann Zuhause. Yura hat das Gefühl, er wird noch gebraucht.

Freiwillige Brandbekämpfer messen die Bodentemperatur zur Kontrolle auf Feuer bei einem Torfbrand-Einsatz in Selenginsk, Burjatien, Russland.
Freiwillige Brandbekämpfer messen die Bodentemperatur zur Kontrolle auf Feuer bei einem Torfbrand-Einsatz in Selenginsk, Burjatien, Russland.
Quelle: Fabian Weiss
Ein Torfbrand in der Nähe von Selenginsk, Burjatien, Russland. Das Löschen würde drei bis fünf Tage dauern.
Ein Torfbrand in der Nähe von Selenginsk, Burjatien, Russland. Das Löschen würde drei bis fünf Tage dauern.
Quelle: Fabian Weiss
Übung für einen Einsatz im Trainingscamp für Freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee in der Nähe von Ust'Barguzin.
Übung für einen Einsatz im Trainingscamp für Freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee in der Nähe von Ust'Barguzin.
Quelle: Fabian Weiss

An professionellen Feuerbekämpfern fehlt es den staatlichen Stellen ebenso wie an Ausrüstung und Benzin für die Einsätze. Vielleicht fehlt es auch an Motivation: Die Regierung Wladimir Putins hat den Schutz russischer Wälder zu wirtschaftlichen Zwecken gelockert und die Waldaufsicht auf die unvorbereiteten Regionalverwaltungen übertragen. In den ohnehin unterbesetzten Forstbehörden, die für die Brandbekämpfung in den Wäldern zuständig sind, wurden auf einen Schlag 70.000 Stellen gestrichen. Nur die Feuer wurden nicht weniger.

Für Yura, bei den Freiwilligen Feuerbekämpfern Transbaikal bereits zum Anführer des Suchtrupps für Vermisste aufgestiegen, ist es daher so gut wie unmöglich, in seinem Bereich Arbeit zu finden. Wäre es anders, bräuchte es nicht so viele Freiwillige. Yura wohnt in einer Wohnung mit seiner Mutter, seinen Großeltern und zwei jüngeren Geschwistern. Das Geld ist knapp. Du brauchst bald einen richtigen Beruf, sagt seine Mutter, wenn er wieder hinaus in die Wälder fährt, um tagelang Feuer zu löschen oder Vermisste zu suchen. Das ist mein Beruf, Mama, sagt Yura dann.

„Es zwingt mich, jedes Mal neu zu denken.“

Sieben Tage lang lernen die Freiwilligen in dem Camp am See, wie sich Feuer ausbreiten, wie sie Geld für Löschaktionen über Fundraising-Plattformen im Internet sammeln können und wie sie am besten mit der Presse umgehen. Sie schmettern Kommandos durch den Wald, weichen kippenden Baumstämmen aus und bergen Verletzte mit aufgeschminkten Brandmalen inmitten qualmender Rauchbomben. Nicht alle, die hier mitmachen, werden später Brände bekämpfen. Doch alle werden ihr Wissen weitergeben. Dafür sorgt auch Ekatarina Grudinina. Die 36-Jährige hat das Camp schon Tage vor der Eröffnung mit aufgebaut, und sie hat geholfen es zu leiten, nachdem Andrey Borodin zu einer Konferenz nach Moskau aufgebrochen war. Sie hielt Vorträge und hat im Auftrag der Feldköchinnen immer wieder Verpflegung im nahen Dorf besorgt. Dabei wirkte sie stets so ausgeglichen wie das Wasser des Baikalsees an windstillen Sommertagen.

Ekatarina ist harte Arbeit gewohnt. An den Schläfen unter ihrem gelben Kopftuch kräuseln sich die ersten grauen Haare. Sie ist Mutter, IT-Beraterin, Kassiererin im Obstgeschäft und war bis vor Kurzem noch in einem Büro angestellt. Ihre Berufung aber ist der Kampf gegen das Feuer. Mittlerweile koordiniert sie für Greenpeace die freiwillige Feuerbekämpfung in Transbaikalien – und arbeitet in Andrey Borodins Truppe. Ihr letzter Urlaub ist sechs Jahre her. „Meine Arbeitsplätze habe ich oft gewechselt“, sagt Ekatarina. „Mir wurde immer langweilig, wenn sich die Situationen nur noch wiederholten.“ Mit dem Feuer sei es anders. „Es zwingt mich, jedes Mal neu zu denken.“

Ein Trainingscamp für freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee in der Nähe von Ust'Barguzin.
Ein Trainingscamp für freiwillige Waldbrandbekämpfer am Baikalsee in der Nähe von Ust'Barguzin.
Quelle: Fabian Weiss

Am Abend des letzten Camp-Tages trommelt Ekatarina eine Gruppe zusammen, die mit ihr am nächsten Tag noch in Richtung ihrer Heimatstadt Selenginsk aufbrechen soll, um dort ein Torffeuer zu löschen. „Smoketown“, raunt Yura, der natürlich dabei ist, wie immer. Tags darauf biegt Ekatarina zehn Kilometer von Selenginsk entfernt mit ihrem Lada von der Landstraße in einen Waldweg ein. Der Bus mit der lauten Rapmusik, in dem Yura auf dem Gepäck sitzt, folgt ihr. Als sie den Rauch in dem Birkenwäldchen sieht, hält sie an und steigt aus. Die Leute in Selenginsk fänden schon gut, was sie tut, sagt sie. Auch wenn manche meinten, dies sei kein Job für eine Frau. Viele ihrer Freundinnen und Freunde hätten ihr Hilfe zugesichert. „Aber wenn es dann darauf ankommt und ich sie anrufe, haben sie keine Zeit.“ Ekatarina hat gelernt, das nicht persönlich zu nehmen.

„Wir haben Leute, die sie löschen würden“, sagt sie. „Aber wir haben kein Geld mehr.“

Sie sieht Yura und die anderen in den Wald stapfen, der Rauch beißt in der Lunge. Bis zu tausend Liter Wasser braucht es, um einen Quadratmeter Torffeuer zu löschen. Es hilft aber nicht, das Wasser einfach auf die Oberfläche zu spritzen. Du musst den Boden umrühren wie ein Frühstücksporridge, sagen sie, mindestens einen Meter tief, bis auch der letzte Klumpen in der Brühe verschwunden ist. Die Freiwilligen Feuerbekämpfer treiben ihre Spaten und Schaufeln in den Boden, um alle Schichten zu durchdringen. Das Wasser aus einem nahegelegenen Kanal schießt aus den Schläuchen, mit einem lauten Zischen steigen Dampfschwaden auf. Bald stehen sie bis zu den Schienbeinen im Matsch und arbeiten sich am widerspenstigsten aller möglichen Feuer ab. Nach fünf Stunden haben zwei Dutzend Menschen mit all ihrer Kraft etwa vierzig Quadratmeter gelöscht.

Ekatarina hat auf der anderen Seite des Kanals längst neue Brandherde entdeckt. Sie sind größer und es sind viele. „Wir haben Leute, die sie löschen würden“, sagt sie. „Aber wir haben kein Geld mehr.“ Nach dem Feuerjahr 2016 bekamen die Freiwilligen 1,5 Millionen Rubel von der Regierung Burjatiens, umgerechnet etwa 19.000 Euro. Es ging für Ausrüstung, Mietbusse, Benzin und Verpflegung drauf. Das Verhältnis der Behörden zu den Freiwilligen ist gespalten. Wie politisch sind ihre Anliegen? Was ist die Agenda derer, die es wagen, den Staat zu kritisieren? Mit einem neuen Gesetz wollen sie die Gruppen dazu bringen, sich zu registrieren. Sie bekämen dann feste Gebiete zugewiesen, es winken Krankenversicherungen und finanzielle Unterstützung. Dafür müssten sie sich mit den Behörden abstimmen, Berichte schreiben, Rechenschaft ablegen. Die Freiwilligen sind skeptisch: Sind wir dann nur noch kostengünstige Handlanger eines Staates, der es versäumt hat, genügend professionelles Personal auszubilden? Wollen sie uns am Ende doch nur unter Kontrolle bringen? Ekatarina sagt, sie könne gut ohne Registrierung leben. Müde steigt sie in ihren Lada. Nach dem Trainingscamp und dem Löscheinsatz freut sie sich auf ihren Sohn, auf ein richtiges Bett und auf die frische Milch aus ihrem Dorf. Wie ein Schiff bei Wellengang schaukelt der Wagen über die löchrige Landstraße. Hinter ihr steigt Rauch auf. Bald schon wird sie den Kampf gegen das Feuer wieder aufnehmen.

Journalismus-Förderung

Recherchepreis Osteuropa

Die Berichterstattung aus Osteuropa stärken: Das ist das Ziel des Recherchepreises Osteuropa. Der von Hoffnung für Osteuropa und Renovabis in Form eines Stipendiums vergebene Preis soll herausragenden Journalistinnen und Journalisten Recherche und Produktion aufwändiger Printreportagen ermöglichen.
Weiterlesen
Projekthilfe

Konkrete Hilfe leisten

Durch eine gemeinsame Aktion können Sie anderen Menschen helfen. Über Projekthilfe unterstützen Sie Renovabisprojekte in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas.
Weiterlesen
Inhalt erstellt: 09.08.2019, zuletzt geändert: 16.09.2021

Unser Newsletter