Rund 200 Fachleute aus 30 Ländern nahmen am Renovabis-Kongress unter der Überschrift „Kirche in der Großstadt — Herausforderungen für die Pastoral in Ost und West“ teil.
Rund 200 Fachleute aus 30 Ländern nahmen am Renovabis-Kongress unter der Überschrift „Kirche in der Großstadt — Herausforderungen für die Pastoral in Ost und West“ teil.
Foto: Doris Breitsameter / Renovabis
13.09.2019 – Renovabis-Kongress

Gott ist in der Stadt

Der 23. Internationale Kongress Renovabis fand am 11. und 12. September 2019 zum Thema „Kirche in der Großstadt. Herausforderungen für die Pastoral in Ost und West“ in München statt.

Einladende Angebote sollen Gottes Gegenwart sichtbar machen

Der Glaube braucht nach den Worten des Berliner Erzbischofs Heiner Koch angesichts der zunehmenden Säkularisierung die Begegnung mit praktizierenden Christen und Erfahrungsräume. „Gott muss entdeckt werden können“, betonte Koch. Der Bischof der tschechischen Diözese Plzeň/Pilsen, Tomáš Holub, hob die missionarische Aufgabe hervor, „mit Phantasie Jesus Christus als personalen Gott zu verkündigen“ und in der Großstadtpastoral aktiv mit allen zusammenzuarbeiten, die Gutes zum Wohl der Menschen bewirken. Ihm gehe es in der Stadtseelsorge weniger um kirchliche Strukturen als vielmehr um ein „möglichst glaubwürdiges Erfahren unseres an allen Menschen interessierten, nahbaren Gottes“. Das sind zwei wegweisende Aussagen des 23. Internationalen Kongresses Renovabis, der jetzt in München zu Ende gegangen ist.

200 Fachleute aus 30 Ländern hatten sich unter der Überschrift „Kirche in der Großstadt — Herausforderungen für die Pastoral in Ost und West“ ausgetauscht. Es ging darum, wie Städter nach Gott fragen, was sie heute suchen und welchen Auftrag Christen im urbanen Alltag haben können. Die Solidaritätsaktion Renovabis hatte die Herausfordeungen und Chancen neuer Formate der Citypastoral insbesondere an osteuropäischen Großstädten fest gemacht. Sie haben sich zweimal stark verändert: zunächst nach dem Zweiten Weltkrieg und erneut nach dem Ende der kommunistischen Gewaltherrschaft vor 30 Jahren. Der Erzbischof von Chicago, Blase Kardinal Cupich, ergänzte Aspekte der städtischen Seelsorge in Nordamerika. Er konzentrierte sich auf drei Herausforderungen. Der Kardinal benannte das sich wandelnde Familienbild, die Spaltung der Gesellschaft und die Auswirkungen der Krise des sexuellen Missbrauchs. Cupich plädierte für eine „offene Diskussion über alles, um die Menschen mitnehmen zu können“.

Ginge es nach Markus-Liborius Hermann von der Katholischen Arbeitsstelle für Missionarische Pastoral, sollten die Städte im Sinne von Papst Franziskus als „Laboratorium der Evangelisierung“ gesehen werden. Mit speziellen Angeboten der „City-Seelsorge“ könne die Kirche versuchen, auf Menschen zuzugehen. Auch auf „pastorale Risikofelder“ und Experimente müsse man sich künftig einlassen. Er verwies als Beispiel auf das in Erfurt praktizierte „Weihnachtslob“: Säkulare Zeitgenossen würden an Heiligabend zu einer Art „abgespeckter Form“ der Christmette eingeladen. Dadurch sinke die Hemmschwelle für eine Teilnahme. Erzbischof Koch, der auch Vorsitzender der weltkirchlichen Unterkommission „Renovabis“ für Mittel- und Osteuropa ist ergänzte ein ähnliches Beispiel. Seit einigen Jahren finde immer am 23. Dezember im Stadion des „1. FC Union Berlin“ ein Weihnachtssingen mit 30.000 Fans statt. „Wir sind als Kirche eigens eingeladen worden, diese Veranstaltung zu begleiten“. Von den Anderen lernen und zuzuhören, gibt Koch denn auch als Devise aus. Dafür sei freilich Vertrauen nötig. Und: „Nicht warten, bis die Leute zu uns kommen, sondern hingehen zu ihnen.“

Im Schlusswort des 23. Internationalen Kongresses Renovabis machte Erzbischof Ludwig Schick, der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, darauf aufmerksam: „In den Metropolen auf der ganzen Welt und natürlich auch im Osten Europas, wie bei uns, hat die Kirche den Auftrag, strukturelle Ungerechtigkeit zu benennen und sich an die Seite der Schwächsten zu stellen.“ Der Weltkirche-Bischof zitierte Papst Franziskus, der eine „karitative ökumenische Pastoral“ empfiehlt. Erzbischof Schick: „Denn Jesus möchte in den Städten Leben in Fülle verbreiten. Die Menschen in den Großstädten erwarten von der Kirche die Verkündigung der freimachenden Botschaft Christi. Von Beginn an wurde gerade in den Städten die Neugier für den Glauben geweckt, in dem Wissen, dass Gott — damals und heute — in der Stadt unter den Menschen wohnt.“

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Inhalt erstellt: 13.09.2019, zuletzt geändert: 13.09.2019