Joachim Kardinal Meisner
Joachim Kardinal Meisner
Foto: Thomas Schumann
05.07.2017 – Nachruf

„Starker Fürsprecher der Kirche im Osten Europas“

Mit tiefer Trauer hat Renovabis die Nachricht vom Tod seines früheren Trägerkreis-Vorsitzenden und emeritierten Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner aufgenommen. Er war ein starker Fürsprecher für alle Anliegen, Sorgen und Hoffnungen der Kirche im Osten Europas.

Mit tiefer Trauer hat Renovabis die Nachricht vom Tod seines früheren Trägerkreis-Vorsitzenden und emeritierten Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner aufgenommen. „Kardinal Meisner hat als der für Renovabis zuständige Bischof in der Deutschen Bischofskonferenz unserem damals neuen weltkirchlichen Hilfswerk Auftrieb und treuen Rückhalt gegeben. Für die Partner von Renovabis war er ein gefragter und zuverlässiger Ansprechpartner“, so würdigte der Hauptgeschäftsührer von Renovabis, Pfarrer Dr. Christian Hartl, diesen Wegbereiter und Förderer des Osteuropa-Hilfswerks: „Bis zuletzt viel im Osten unterwegs, war Kardinal Meisner dort das Gesicht der deutschen Kirche.“ Pfarrer Hartl war dieser Gründungs­persönlichkeit der Solidaritätsaktion noch kürzlich bei der diesjährigen Kampagneneröffnung in Köln begegnet.

Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert, der die Ost­europa-Arbeit lange Zeit im engen Zusammenwirken mit Meisner in Bonn und Freising mitgestaltete, betont „das große Herz dieses Kardinals“. „Er war ein starker Fürsprecher für alle Anliegen, Sorgen und Hoffnungen der Kirche im Osten Europas.“

Kardinal Meisner war Ende 1988 von Papst Johannes Paul II. als Bischof von Berlin zum Erzbischof von Köln ernannt worden. Seit seiner Amtseinführung im Februar 1989 leitete er bis zum 28. Februar 2014 die Erzdiözese am Rhein, insgesamt 25 Jahre. Als aus der DDR stammendes Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz kümmerte sich Meisner nach dem Fall des Eisernen Vorhangs um die Belange und die von ihm stets gepflegten Kontakte mit der Kirche im Osten Europas. 1990 wurde unter seinem Vorsitz die „Unterkommission für Mittel- und Osteuropa“ der Deutschen Bischofs­konferenz eingerichtet. Kardinal Meisner knüpfte weiter an seinem Netzwerk vielfältigste christlicher Freunde im damals zerbröckelnden Ostblock und nutzte seine Kenntnis über die Zusammenhänge, um seitens der deutschen Ortskirche im Schulterschluss mit verschiedenen kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Bemühungen — darunter dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken — eine Grundlage für die solidarische Hilfe für den Osten Europas zu schaffen.

Renovabis sei dem Verstorbenen sehr dankbar für die vertrauensvolle und zielgerichtete Zusammenarbeit in so vielen Projekten. Seinerseits sei der Kölner Erzbischof den Projektpartnern, aber auch den Mit­arbeiterinnen und Mitarbeitern des Hilfswerks sehr verbunden gewesen, sagten die Renovabis-Geschäftsführer.

Zitate von Joachim Kardinal Meisner

Der Name Renovabis

„Die Solidaritätsaktion Renovabis ist ein wichtiger Teil dieser Entwicklung, gerade bezogen auf die Kirchen und Christen im Osten Europas. ‚Renovabis‘ – dieser Name, den wir im Jahr 1993 für ein neues kirchliches Hilfswerk wählten, das vor allem die Christen in Mittel- und Osteuropa bei ihren Bemühungen um die Verkündigung des Evangeliums, aber auch um die Erneuerung ihrer Gesellschaften in Gerechtigkeit und Freiheit unterstützen sollte, dieser Name ‘Renovabis’ bedeutet: ‘Du wirst erneuern’. Er leitet sich vom lateinischen Text des Psalms 104 her, wo es heißt: ‘Sendest Du Deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und Du erneuerst das Antlitz der Erde’ (Ps 104,30). Gottes Geist ist es, der der Erde ein neues Gesicht gibt.

Zur Gründung von Renovabis

Ja, durch die politische Wende in den Jahren 1989/90 wurde Mittel- und Osteuropa ein neues Gesicht gegeben. Erinnern wir uns überhaupt noch daran, wie es vorher war? Nicht einmal zwei Jahrzehnte sind es her, dass sich in Europa zwei waffenstarrende Blöcke gegenüberstanden – knapp 19 Jahre auch nur, seit die menschenverachtenden kommunistischen und atheistischen Systeme in Mittel-, Ost- und Südosteuropa endlich beseitigt werden konnten. Gerade für viele Christen im ehemaligen ‘Ostblock’ war das fast wie eine Neugeburt. Nach all den Jahren der politischen Unterdrückung, in denen die Kirche unter schwierigsten Bedingungen überleben musste, stand sie damals vor neuen und großen Chancen, aber auch vor mindestens ebenso großen Herausforderungen und Problemen. Um dabei zu helfen, diese Chancen aufzugreifen und diese Herausforderungen zu meistern, wurde Renovabis gegründet. Denn für uns galt es, den Aufbruch der Kirche in Mittel- und Osteuropa zu begleiten und zu fördern.“ - Joachim Kardinal Meisner

Renovabis als Ausdruck des Liebenshandelns Gottes

„‘Renovabis’ – das ist auch ein Ausdruck des Liebeshandelns Gottes durch uns Menschen bei der Erneuerung der Erde. Und es ist zugleich eine Aufforderung an uns alle, uns ganz in den Dienst dieses Liebenshandelns zu stellen. Ich möchte in diesem Zusammenhang an die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. ‘Deus caritas est’ erinnern. Darin hat er uns ja die Bedeutung des Liebeshandelns, des sozialen und caritativen Dienstes als ganz wesentliche, wenn nicht sogar als die entscheidende Dimension christlicher Existenz von neuem eindringlich vor Augen geführt. Es geht ihm dabei um die Zuwendung zum Nächsten aus der inneren Begegnung mit Gott heraus – eine Zuwendung, die sich zuletzt natürlich auch in ganz praktischen Werken der Nächstenliebe zeigen muss. Und der Nächste ist hier nicht nur mein Verwandter, Freund, Nachbar oder Kollege.“ - Joachim Kardinal Meisner

Zum Europa der Zukunft

„Doch wie wird das Europa der Zukunft – im östlichen wie im westlichen Teil – aussehen? Wird es ein Europa sein, das sich zunehmend von Gott abwendet? Wird es ein Europa sein, das noch um seine christlichen Wurzeln weiß? Wird es ein Europa sein, in dem die Stimme der Kirche in Staat und Gesellschaft noch Gewicht hat? Wird das Zusammenwachsen von Ost und West in Europa überhaupt noch eine religiös-spirituelle Dimension haben im Sinne des viel zitierten Wortes von Papst Johannes Paul II., dass Europa ‘auf zwei Lungenflügeln atmen müsse’, den östlichen, orthodoxen Kirchen und der westlichen Christenheit?
Gerade als Kirche müssen wir darauf achten, dass die europäische Integration nicht reduziert wird auf die gewiss wichtigen Fragen des gemeinsamen Marktes, der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik oder der gemeinsamen Lösung grenzüberschreitender Probleme wie der Kriminalitätsbekämpfung oder dem Umweltschutz. Auch der ‘Innenwelt-Schutz’, das heißt die Bewahrung der menschlichen Grundlagen unserer europäischen Gesellschaften, ist und bleibt von allerhöchster Wichtigkeit. Und hier kann gerade auch die Arbeit eines kirchlichen Hilfswerks wie Renovabis durch gezielte Projekte im pastoralen wie auch im Bildungsbereich Akzente setzen.“ - Joachim Kardinal Meisner

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Inhalt erstellt: 05.07.2017, zuletzt geändert: 24.08.2017